Noch immer haftet ein Klischee ganz besonders stark am Golfsport: die Sportart exklusiv für die weiße reiche Bevölkerung. Sind diese Vorurteile heute noch gerechtfertigt? Die Debatte um Diskriminierung und Rassismus wird in der Golfwelt schon lange geführt.

Außerhalb von Liebhaber-Kreisen sieht sich der Golfsport mit verschiedenen Ressentiments konfrontiert, die einander teilweise sogar widersprechen.  „Das ist nur was für Snobs oder alte weiße Männer“, lautet ein häufig bemühtes Pauschalurteil. Verwunderlich allerdings, wenn die gleichen Skeptiker erklären: „Ich kenne nur Tiger Woods.“ Denn weiß ist Woods als Sohn einer gebürtigen Thailänderin und eines schwarzen US-Amerikaners nicht und mit knapp 45 Jahren auch nicht besonders alt. Mit dem Golfsport begann er schon im Kindesalter. Trifft das Klischee also überhaupt noch zu oder ist der Golfsport längst in der modernen Welt angekommen?

taz-Autor über die Liebe zum Golfsport

Der taz-Autor Alexander Lindh outete sich 2017 in seinem Artikel „Ausgerechnet Golf“ als Golfliebhaber und verteidigte die Sportart gegenüber den Kritikern. „Diesen Satz aufzuschreiben, fühlt sich an wie ein Coming-out: Ja, ich spiele das Spiel der Bonzen.“, so der Autor zu Beginn seiner Offenbarung. Er deutet an, dass der Sport der reichen weißen Männer ja eigentlich so gar nicht mit seiner politischen Einstellung zu vereinen sei. Dennoch spiele er munter weiter und das aus gutem Grund.

Das Spiel macht süchtig. Der erste Schlag funktioniert, das Spiel scheint einfach. Der zweite Schlag geht in die Hose und schon „war es um mich geschehen.“ Die Suche nach dem perfekten Schlag in Kombination mit dem Spaziergang an der frischen Luft machen den Golfsport für Lindh so besonders, dass er regelmäßig mit seinem VW-Bus auf den Parkplatz des Golfclubs fährt. Und damit ist er nicht alleine.

Golf wird auch in Deutschland immer mehr zu einem Breitensport. Jüngst veröffentlichte der DGV eine Umfrage über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Golfsport. Dabei zeigte sich, dass das Interesse sogar in Krisenzeiten steigt und auch die jungen Leute immer mehr auf den Golfplatz finden. Ist die Domäne der „alten weißen Männern“ also längst passe?

„Being black in a white sport” – Maurice Allen berichtet

Nach der Tötung von George Floyd im vergangenen Mai nahmen globale Proteste immer mehr ihren Lauf und fanden auch im Sport einen besonderen Ausdruck. Der World Long Drive-Teilnehmer Maurice Allen nahm das zum Anlass und berichtet in seinem Artikel „Being black in a white sport“ über seine Erfahrungen als schwarzer Golfer in einem Sport für Weiße.

„Ich bin ein Golfer, so wie du. Aber ich war auch die Person auf der Straßenseite, die eine Pistole über den Kopf gezogen bekam für etwas, das sie nicht getan hat. Ich denke, das ist, was uns unterscheidet.“, beginnt Allen seinen Text. Bei Turnieren sei er oft der einzig Schwarze und rücke somit oft in den Fokus.

Er wurde beleidigt, erhielt Hass-Mails und wurde nie lange ernst genommen. Nach besonderen Vorfällen wurde er zu Talkshows eingeladen, danach wurden seine Anrufe ignoriert. Mit Golfdigest fand er eine Plattform, auf der er seinem Ärger über die fehlende Unterstützung der schwarzen Spieler im Golfsport Ausdruck verleihen konnte. Er ruft zum Protest auf. „Wenn du das liest, bedeutet das, dass wir durch das Golfen verbunden sind“, so hofft Allen auf die Unterstützung im Golfsport. „Da sind mehr von uns als Tiger Woods und Harold Varner III.“

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