Der Golfschwung – So optimierst du deine Technik

Golferin hält ihren Schläger vor dem Sonnenuntergang im Aufschwung über dem Körper

Es sieht so einfach aus – und ist doch so unglaublich komplex. Am Golfschwung verzweifelt nahezu jeder Anfänger. Und erfahrene Golfer verbringen Jahre mit seiner Perfektion. Ein Vorhaben, das allerdings niemals wirklich abgeschlossen ist selbst bei den Weltklasse-Athleten auf den internationalen Profi-Turnieren. Wie halte ich den Schläger? In welcher Position sind die Füße zum Ball ausgerichtet? In welche Richtung zeigt die Schlagfläche? Und wie erfolgt eigentlich der Schwung der Hüfte und der Arme? Wir geben einen großen Überblick und beantworten die wichtigsten Fragen auf der Suche nach dem idealen Golfschwung.

Der Perfekte Golfschwung ist nicht nur unerreichbar, sondern – das hat sich längst herumgesprochen – es gibt ihn schlichtweg gar nicht. Um alles in eine festgelegte Formel packen zu können, ist der Golfsport einfach zu komplex. Je genauer man per Zeitlupe in die Analyse geht, umso klarer werden die Unterschiede, selbst bei den Weltstars auf der PGA Tour. Rory McIlroy schwingt seinen Golfschläger vollkommen anders als Collin Morikawa. Scottie Scheffler platziert die Hände anders auf dem Griff als Jon Rahm. Tommy Fleetwood lässt sein Eisen anders schwingen als Wyndham Clark. Diese Profis haben buchstäblich Jahrzehnte in mühevoller Kleinstarbeit verbracht, eine individuelle Technik des Golfschwungs zu entwickeln, die am besten zu ihnen persönlich passt, mit der sie ganz konkret am besten zurechtkommen.

Ein Golfspieler der einen Golfschläger schwingt
Scottie Scheffler beim vollen Schwung (Foto: AFP)

Doch nicht nur jeder Golfer ist anders – auch jeder Schlag ist anders. Jedes Loch auf jedem Golfplatz hat seine eigenen Anforderungen. Zudem gilt es die jeweils herrschenden Wind- und Wetterbedingungen zu berücksichtigen sowie die persönliche Tagesform. Und selbst, wenn man einen Platz schon tausend Mal gespielt hat – nach dem Abschlag von der Teebox ist jede Situation, in die man sich geschlagen hat, komplett neu und einzigartig. Ist dieser Beitrag also an dieser Stelle schon am Ende mit der einzigen Erkenntnis: „Den perfekten Golfschwung gibt es nicht“? Nein. Denn die Tatsache, dass man sich vom mentalen Konzept der einzig wahren Perfektion verabschieden muss, bedeutet noch lange nicht, dass es nicht gewisse Leitlinien gebe, an denen man sich orientieren kann, gewisse Mechanismen, die man sich vergegenwärtigen muss, verschiedene Tipps, die funktionieren.

Bei aller Individualität lassen sich doch drei Arten des Golfschwungs identifizieren:

  1. Der volle Schwung – dieser wird mit Driver, Fairwayholz, Hybrid oder Eisen vollzogen.
  2. Der halbe Schwung – hier handelt es sich um einen Pitch, einen Bunkerschlag oder einen Annäherungsschlag. Der Wedge ist hier in der Regel Schläger der Wahl.
  3. Der Chip oder Putt – dies sind sehr kurze und sehr kontrollierte Schläge in die Nähe des Lochs oder – falls es klappt – sogar ins Loch.

Und ebenso wie sich alle Golfschwünge in drei Arten unterteilen lassen, lässt sich auch jeder einzelne Schwung in vier Phasen unterteilen: 

  1. Das Ansprechen des Balls – also wie stelle ich mich zum Golfball?
  2. Der Aufschwung – also wie hole ich mit dem Schläger aus?
  3. Der Abschwung – also wie bewege ich den Schläger zum Ball?
  4. Der Durchschwung – also wie treffe ich den Ball mit der Schlagfläche und was passiert danach?

Arbeiten wir uns doch am besten einmal durch diese vier Phasen des Golfschwungs hindurch. Die folgenden Beschreibungen gelten in erster Linie für den vollen Schwung. 

Das Ansprechen des Balls

Die optimale Position für das Ansprechen des Golfballs sieht vor, die Füße etwa schulterbreit auseinander zu stellen. Den Oberkörper sollte man leicht nach vorne beugen. Der Rücken sollte dabei möglichst grade gehalten werden. Dass die Schultern dann leicht nach vorne hängen, ist völlig in Ordnung. Die Knie werden ebenfalls leicht gebeugt. Sie befinden sich über dem Fußspann, sodass das Gewicht tendentiell auf dem Vorderfuß liegt. Nun fixiert man den Golfball. Der Griff beziehungsweise das Griffende ist etwa eine Handbreit vom Oberschenkel entfernt und zeigt in Richtung Gürtelschnalle. Die Arme sind leicht angewinkelt. Sie hängen locker nach unten und die Hände liegen in einer Linie mit Brustbein und Kinn. Der Golfschläger wird so gehalten, dass der Schlägerkopf neben dem Ball liegt und die Schlagfläche in Richtung des Ziels zeigt.

Ein Golfer puttet auf einem winterlichen Platz
Foto: trattieritratti / Adobe Stock

Der Aufschwung

Nun wird zum Schlag ausgeholt. Der Golfschläger wird in großem Bogen hinter den Körper geführt, so weit, bis der Schaft hinter der Schulter parallel zum Boden verläuft. Die Position der Füße bleibt zunächst unverändert. Das führt dazu, dass sich Hüfte und Schultern zwangsläufig nach hinten drehen. Die Hände winkelt der Golfer nun leicht an. Die Augen ruhen weiterhin auf dem Ball.  Da die Hände ja am Griff zusammenlaufen, bilden Schultern und Arme zunächst ein Dreieck. Bis man beim Aufschwung an der Hüfte ankommt, bewegt dieses Dreieck sich vollkommen synchron, wird also gehalten und nicht aufgelöst. Der Schlägerkopf befindet sich solange noch ein kleines Stück weit vor den Händen. Die Schlagfläche zeigt konsequent in Richtung Ball. 

Golfer hält den Schläger beim Rückschwung am höchsten Punkt

Ab der Hüfte bis hin zum höchsten Punkt wird diese Struktur natürlich ein Stück weit aufgelöst. An dem höchsten Punkt kann die Schlagfläche parallel zum linken Unterarm. Dieser ist möglichst gestreckt. Der rechte Arm ist nun angewinkelt. Somit beschreiben rechter Unterarm, rechter Oberarm und linker Unterarm ein Dreieck beschreiben, sofern man von hinten auf den Golfer guckt. Der Körper wird nun leicht eingedreht, sodass der rechte Ellenbogen hinter der Ferse ist. 

Der Abschwung

Nun kommt der entscheidende Impuls, um den Golfball erfolgreich zu schlagen. Der Spieler verlagert das Gewicht nun auf das linke Bein (bei Rechtshändern). Mit einer Rotation der linken Hüfte gibt er die Richtung vor. Die Arme und der Schläger folgen dieser Körperbewegung. Da sich die Hüfte gedreht hat, ist ausreichend Platz für die Arme vorhanden. Der rechte Ellenbogen bleibt konstant nah am Körper. Es empfiehlt sich, den Schläger leicht von innen in den Ball schwingen zu lassen. Der Schlägerkopf ist dann leicht hinter den Händen. Gelingt dies, so sorgt es dafür, dass beim Schlagen weniger Backspin erzeugt – also eine Rückwärtsdrehung des Balls. Der Schlag wird somit länger. 

Golfer hält den Schläger vor dem Abschwung am höchsten Punkt des Aufschwungs

Der Durchschwung

Der Ball wird nun getroffen, doch selbst damit ist der Golfschwung nicht vorbei. Ein gutes Finish – also das, was nach dem Treffmoment kommt, kann dabei helfen, entscheidende Fehler zu erkennen und den eigenen Golfschwung zu verbessern. Wir schreiben bewusst „verbessern“ und nicht „perfektionieren“ – denn dass es Perfektion im Golfschwung nicht gibt, haben wir ja bereits besprochen. 

Der Treffmoment, auch „Impact“ genannt ist nun natürlich der wichtigste Moment im ganzen Schwung. Die Richtung, in die das Schlägerblatt zeigt, wenn es auf den Ball trifft, entscheidet, wohin der Ball fliegt. Ist das Schlägerblatt extrem geschlossen, so fliegt der Ball zu weit nach links (immer bezogen auf einen Rechtshänder). Ist es hingegen zu offen, zieht der Ball nach rechts ab. 

Golfer im Durchschwung

Im Moment des Impacts liegt die rechte Schulter etwas tiefer als die linke. Die Wirbelsäule rotiert. Das führt dazu, dass das Brustbein nun hinter dem Ball ist. Die Hände hingegen sind fast über dem Ball. Der Schaft bildet quasi mit dem linken Arm eine grade Linie vom Ball bis zur linken Schulter. Und dann kommt es auch entscheidend auf den Kopf an: Mental sollte man sich nicht vorstellen, dass der Golfschwung mit dem Treffen des Balls vollendet ist. Stattdessen sollte man sich eher vorstellen, dass man den Schlägerkopf mit dem Schlägerblatt in Richtung Ziel durch den Ball hindurch schwingt. 

Das Finish

Wie genau diese genannten Phasen unterteilt werden, darüber gibt es ebenfalls verschiedene Meinungen. Manche zählen auch nur drei Phasen – Ansprechen, Aufschwung und Durchschwung. Wir haben uns hier entschieden, den Weg zum Ball von dem zu trennen, was ab dem Treffmoment geschieht, da hier einfach zu viele Details wirken, um diese Welten in einer Phase abbilden zu können. Das Finish kann entweder als abschließender Teil des Durchschwungs oder als separate fünfte Phase betrachtet werden. 

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(Foto: Checkpoint Golf)

Am Ende eines vollendeten Golfschwungs schaut das Gesicht zum abgeschlagenen Ball und der Schaft verläuft hinter dem Kopf. Die Hände sind auf Höhe das Kopfes, nachdem die Arme lang durch den Ball gegangen sind. Der Stand ist sicher und stabil – wer durchzurotieren und den Stand zu verlieren droht, der hat den Schwung nicht ideal ausgeführt. Der Unterbauch zeigt leicht links am gelandeten Ball vorbei. Die Knie befinden sich nah beieinander. Der hintere, rechte Fuß steht auf den Zehenspitzen. Der Großteil des eigenen Gewichts lastet nun auf der linken Ferse.

Fotos (sofern nicht anders angegeben): Adobe Stock

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