Was ist das Handicap beim Golf?

Scorekarte und Stift in den Händen eines Golfers

Das Handicap – ein Begriff, um dass sich anscheinend alles dreht auf dem Golfplatz. Für Neulinge ist das zunächst mal nicht ganz leicht zu verstehen. Irgendein Wert, der die Spielstärke der Golfer angibt und der sich mit zunehmender Erfahrung auch verändert und besser oder schlechter wird. Aber wie genau funktioniert das? Wir erklären die Berechnung eines Handicaps und beantworten die wichtigsten Fragen.

In Deutschland beginnt jeder Golfer und jede Golferin seine/ihre Laufbahn, indem er/sie seine Platzreife erlangt. Das bedeutet, er hat einen Kurs besucht, indem er Grundbegriffe und Techniken des Golfsports erlernt hat und ebenso die Golf-Etikette. Hat er oder sie am Ende dieses Einsteiger-Kurses eine theoretische und praktische Prüfung bestanden, so bescheinigt ihm ein:e zertifizierte:r Lehrer:in seine bzw. ihre Platzreife. Sozusagen ein „Führerschein“, um auf echten Golfplätzen Runden zu spielen. Dies ist schonmal die Grundinformation, die man kennen muss, um zu verstehen, wie das Handicap funktioniert.

Der Grundgedanke des Handicaps ist, dass Spieler und Spielerinnen unterschiedlicher Spielstärke eine Golfrunde gegeneinander spielen können und ihre Ergebnisse auf fairer Basis miteinander vergleichen können. Deshalb erhält jeder Golfer und jede Golferin einen Handicap Wert (HCP), der ihre Erfahrung würdigt und Auskunft darüber gibt, wie viele Schläge er oder sie im Verhältnis zu der Vorgabe des Platzes benötigt. Ein Neuling, der soeben die Platzreife erlangt hat, startet mit einem Handicap von 54. Das bedeutet, ihm oder ihr wird zugestanden, für die 18 Loch eines Golfplatzes 54 Schläge mehr im Verhältnis zur Vorgabe des Platzes zu benötigen.

Was sind Platzvorgaben? 

Das führt zur nächsten Frage: Was hat es mit dieser Vorgabe eines Golfplatzes auf sich? Bei der Errichtung eines Golfplatzes überlegen sich die ausführenden Golfplatz-Architekten für jedes Loch, wie viele Schläge eine angemessene Vorgabe sei, um den Ball einzulochen. Ein kürzeres Loch beispielsweise kann ein geübter Golfer oder eine geübte Golferin mit drei Schlägen schaffen. Dieses Loch wäre dann ein sogenanntes Par 3. Für eine sehr lange oder sehr schwierige Bahn, die möglicherweise Wasserhindernisse, Kurven, Hänge oder Sandbunker beinhaltet, ist dies hingegen nicht zu erwarten. Hier würde man eher eine Vorgabe von fünf Schlägen ansetzen. Das Loch wäre somit also ein Par 5.

Aus der Gesamtheit der 18 Löcher ergibt sich die Spielvorgabe für den Golfplatz. Ein durchschnittlicher Golfplatz besteht aus vier Par 3 Löchern, zehn Par 4 Löchern und vier Par 5 Löchern. Er hat somit die Spielvorgabe 72. Wer diesen Platz also mit insgesamt 72 Schlägen schafft, der oder die hat die Spielvorgabe genau getroffen. Er oder sie erreicht den Score 0. Man spricht hier auch von „Even Par“ oder einfach „Even“. Oder aber: „Er (oder sie) hat Par gespielt“. 

Morgendämmerung auf einem Golfplatz
Foto: Adobe Stock

Spielt ein Golfer oder eine Golferin, der/die direkt aus der Platzreife kommt und somit das Handicap 54 hat, nun einen Kurs mit Par 72, so wird ihm/ihr also zugestanden, 54 Schläge mehr als 72 zu brauchen, also in unserem Beispiel 126 Schläge. Woher die 54 kommt? Nun, die Erfinder dieses Zählsystems haben festgelegt, dass pro Loch drei Schläge über Par zugestanden werden. Drei mal 18 ergibt 54. Hat der/die Golfer:in aus unserem also exakt 54 Schläge für den Par 72 Platz benötigt, so hat er/sie sein/ihr Handicap gespielt. Unterbietet er diesen Score jedoch, so ist dies ein schöner Erfolg und kann dazu führen, dass das Handicap nach unten korrigiert wird. Das jedoch nur unter bestimmten Bedingungen, aber dazu kommen wir später. 

Der Start mit Handicap 54

Im Allgemeinen ist es so: Wer nach seiner absolvierten Platzreife dranbleibt und regelmäßig auf dem Kurs ist, der verbessert sein Spiel mit zunehmender Dauer – der eine schneller, der andere braucht etwas mehr Zeit. Doch wer kontinuierlich golft, der verbessert sein Handicap somit nach und nach. Das charmante an diesem System ist, wie schon zuvor angedeutet, die Fairness. Denn ein Spieler mit Handicap 50 kann ohne weiteres gemeinsam mit einem Handicap 15 Spieler auf die Runde gehen und „gegen ihn antreten“. Mit Sicherheit wird er es nicht schaffen, weniger Schläge zu benötigen, als der viel erfahrenere oder geübtere Kollege. Doch vielleicht wird er es schaffen, sein Handicap weiter zu unterbieten und somit einen „Sieg“ erringen. 

Golfer übt seinen Golfschwung mit einem anderen Golfer
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Verändert sich denn das Handicap tatsächlich bei jeder gespielten Runde? Nein. „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, dachten sich wohl die Erfinder des Handicap-Systems und setzten hierzu gewisse Voraussetzungen. Die eine Möglichkeit, das eigene Handicap zu verbessern, ist ein Turnier. Hier wird von unabhängiger Stelle beobachtet und gewertet. Mal wieder einen Grund, den vielen Ehrenamtlichen zu danken, die sich im Golfsport das ganze Jahr über verdient machen. Ohne ihren unermüdlichen Einsatz wäre kein Turnier der Welt möglich und somit würde auch ein Großteil der Verbesserungen so vieler Handicaps wegfallen. 

Die andere Möglichkeit, das eigene Hcp zu verbessern, sind sogenannte EDS Runden. EDS steht hier für Extra Day Score. Hierbei handelt es sich um besondere Golfrunden, bei denen der Spieler beim jeweiligen Club einen Zähler anmeldet, der das erzielte Ergebnis hinterher bestätigt. Freilich sind hieran auch einige Bedingungen geknüpft. So muss der Zähler selbst ebenfalls über ein Handicap – und somit auch eine Platzreife – verfügen und er muss selbst Mitglied eines Golfclubs sein. Zudem kann jeder Golfclub auch eigene Bedingungen für EDS Runden auf dem eigenen Platz stellen, etwa ein gewisses Mindest-Handicap. 

Das Stableford System

Bei der Berechnung, ob der Spieler oder die Spielerin bei der Runde das eigene Handicap verbessert hat, kommt das sogenannte Stableford System zum Einsatz. Dabei unterscheidet sich die Zählweise von einem gewöhnlichen Zählspiel, oder auch Lochspiel genannt. Das Stableford System orientiert sich am aktuellen Handicap und überprüft quasi pro Bahn, ob der Spieler besser gespielt hat als es anhand seines Handicaps von ihm zu erwarten gewesen wäre. Wer etwa ein Handicap von 36 hat, der bekommt bei 18 Loch somit pro Bahn zwei Schläge „Vorsprung“. Für ein Par 3 werden ihm fünf Schläge zugestanden, für ein Par 4 sind es sechs Schläge und für ein Par 5 dementsprechend sieben Schläge.

Scorekarte Handicap
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Pro Loch, bei dem man die persönliche Vorgabe erfüllt, bekommt man beim Stableford System zwei Punkte. Braucht man einen Schlag mehr, so bekommt man immerhin noch einen Punkt. Für jeden Schlag, den der Spieler unter seiner Vorgabe bleibt, bekommt er dementsprechend mehr Punkte. Liegt man jedoch zwei oder mehr Schläge über seiner Vorgabe, so sind es null Punkte. Das besondere im Vergleich zum Zählspiel ist jedoch: Alle noch höheren Ergebnisse bleiben ohne Relevanz. Weniger als null Punkte werden es nicht. Negativ-Ergebnisse sind beim Stableford ausgeschlossen. Hat man am Ende der Runde im Durchschnitt mehr als zwei Punkte pro Bahn erzielt, so kann man sich selbst gratulieren: Das Handicap wurde verbessert. 

Wer betrügt, schadet sich nur selbst

Trotz der beschriebenen Kontroll-Mechanismen, die der Deutsche Golfverband festgelegt hat, muss hier noch einmal die eindeutige Warnung rausgehen. Wer betrügt, riskiert nicht nur, bei den Club-Mitgliedern unten durch zu sein, sondern schneidet sich auch ins eigene Fleisch. Das Handicap ist ein wichtiges Instrument, das bei der Einordnung der Spielstärke und der Vergleichbarkeit hilft. Wer versucht, sich mit unlauteren Mitteln ein niedrigeres Handicap zu verschaffen, als er sich erspielt hat, der wird auf dem Golfplatz an den Erwartungen scheitern, die mit diesem Wert verknüpft sind. 

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