Staatsbesuche und Inszenierungen: US-Präsidenten auf dem Golfplatz

Staatsbesuche und Inszenierungen: US-Präsidenten auf dem Golfplatz

Als sogenanntes „Gentlemen’s Game“ wird Golf auch von so manchem Politiker gern gespielt. Insbesondere bei den Präsidenten der USA ist mittlerweile eine kleine Tradition festzustellen. Den meisten geht es dabei um den Spaß am Spiel, einigen jedoch auch um eine gewisse Inszenierung. Nicht zuletzt wurden auch bereits Staatsbesuche teilweise auf den Golfplatz verlegt. Inwiefern dabei politische Verhandlungen geführt wurden, ist nicht bekannt.

Vernachlässigte Regierung durch Golf?

Der 34. US-Präsident Dwight D. Eisenhower verbrachte viel Zeit auf dem Golfplatz. Chronisten gehen von rund 800 Runden aus, die er während seiner achtjährigen Amtszeit gespielt haben soll. Aufgrund seiner Verdienste für den Sport wurde er sogar in die World Golf Hall of Fame aufgenommen und in der Kategorie Lifetime Achievement geehrt.

Auch George W. Bush war ebenso wie sein Vater passionierter Golfer. Während des Irak-Krieges 2003 beschloss er aber, mit dem Golf vorübergehend zu pausieren, da er befürchtete, ein golfender Präsident könnte in derart schweren Zeiten die falschen Signale aussenden. Nach seiner Amtszeit fing der Republikaner wieder an und verteidigte sogar seinen demokratischen Nachfolger Barack Obama gegen Kritiker, die ihm vorwarfen, zu viel Zeit auf dem Golfplatz zu verbringen.

Obama, von Haus aus Basketballer, hatte Golf als entspannende Alternative seinem Lieblingssport entdeckt. Während seiner Amtszeit spielte Obama gerne eine Runde Golf.  Hierfür wurde er teilweise kritisiert. Eine der lautesten Stimmen hatte in diesem Zusammenhang Donald Trump, damals lediglich Unternehmer mit hoher Medienpräsenz. Er warf Obama vor, zu viel Zeit auf dem Golfplatz zu verbringen und die Regierungsgeschäfte zu vernachlässigen.

Trumps Golftweeds auf Twitter

2017, Trump war mittlerweile Obamas Nachfolger, erschienen dann Aufnahmen von ihm mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe. Die mediale Häme war groß, schließlich hatte Trump sich vor seiner politischen Tätigkeit hier als Sittenwächter geriert., Allein auf Twitter hatte er sich 27 mal über Obamas vermeintlich zu häufiges Golfspiel ausgelassen.

Mit seiner eigenen Golfaktivität geht Trump weniger kritisch um. Während seiner Amtszeit war er bereits 275 mal auf dem Golfplatz. Auf den sozialen Netzwerken präsentiert er sich gern als Golfer, etwa als er sich stolz an der Seite der Sportikonen Jack Nicklaus und Tiger Woods präsentierte. Zuletzt hatte er betont, ein geplantes Entspannungswochenende aufgrund der Proteste der „Black Lives Matter“ Bewegung abgesagt zu haben.

US-Präsidenten und Golfsport – dies ist eine eigene Geschichte. Ein deutscher Bundespräsident ist in seinem Amt nicht als Regierungschef tätig und daher nicht vergleichbar mit einem Präsidenten der USA. Doch auch hier gab es einen leidenschaftlichen Golfer. Walter Scheel (FDP), von 1974 bis 1979 Staatsoberhaupt der Bundesrepublik, wurde 2003 von der Aktion „Golfer des Jahres“ mit dem Sonderpreis für seine Verdienste um den deutschen Golfsport geehrt.

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