Als Sophie Hausmann Ende März ihr erstes Turnier auf der Symetra Tour gewann, freute sich die gesamte Redaktion von 123golfsport mit ihr. Noch größer war bei uns die Freude darüber, dass die 23-jährige sich Zeit nahm, uns von diesem tollen Erfolg zu berichten.

Nach dem Abitur spielte Hausmann vier Jahre lang Golf an der University of Idaho. Im Corona-Jahr 2020 gab sie ihre Rookie-Saison auf der Symetra Tour. In die aktuelle Spielzeit ist sie glänzend gestartet: Nach einem geteilten sechsten Platz auf der Carlisle Arizona Women’s Golf Classic holte sie sich bei der IOA Championship in Beaumont, Kalifornien den Sieg.

Sophie, herzlichen Glückwunsch zu deinem ersten Turniersieg als Profi-Golferin! War der Triumph bei der IOA Championship auch gleichzeitig der schönste Moment in deiner bisherigen Laufbahn?

Er gehört zu den Highlights, so viel steht fest. Es gab aber auch andere Turniere, die ich nicht gewonnen habe, die aber auch großartige Erfahrungen waren. Ich durfte einmal Augusta spielen, das darf nicht jeder. Dann gab es auch auf dem College tolle Erfolge. Das war natürlich auf einem anderen Level aber zu dem Zeitpunkt waren es sehr intensive Momente.

Mein erstes siegreiches Amateurturnier werde ich nie vergessen. Ich würde also sagen: Der Sieg auf der IOA ist eine von vielen fantastischen Erfahrungen, die ich sammeln durfte und die ich gar nicht so gerne gegeneinander aufwiegen möchte.

Sicherlich möchte man einen solchen Moment auskosten, doch nach dem Turnier ist vor dem Turnier. Lass uns mal an deinem Seelenleben teilhaben: Kannst du deinen Erfolg immer noch genießen und schwebst auf Wolke 7 oder bist du schon wieder auf die weitere Saison fokussiert?

Ehrlich gesagt liegt der Fokus schon wieder ein wenig auf dem nächsten Turnier. Am kommenden Wochenende spielen wir wieder. Auf der anderen Seite ist mein erster Sieg im Profibereich schon noch ein wenig im Hinterkopf. Ich nehme den Erfolg als Selbstvertrauens-Booster, versuche mich aber auch nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Insbesondere im Golf ist sowas nunmal auch stark tagesformabhängig. Wir spielen noch 18 bis 20 Turniere. Da wird es noch 18 bis 20 andere Gewinner geben. Und da die Platzierung ja über die Geldrangliste läuft, kann das Motto für mich nur heißen: Weiter geht’s!

So ganz aus heiterem Himmel ist der Sieg ja nicht gekommen, schließlich hattest du schon im ersten Turnier der Saison einen geteilten sechsten Platz geholt. Hattest du es ein bisschen im Gefühl, dass du dich weiterentwickelt und nun vielleicht auch Chancen auf Turniersiege hast?

Da muss man differenzieren. Insgesamt war meine erste Saison 2020 ein wenig inkonsistent. Ich habe an verschiedenen Dingen gearbeitet und hatte durch die besonderen Gegebenheiten in diesem Jahr den Vorteil, dass ich den Status nicht verlieren konnte. Jetzt werden die Karten neu gemischt und ich gehe an jedes Turnier neu heran. Im Longbow (Austragungsort der Carlisle Arizona Women’s Golf Classic – Anm. d. Red) war es bereits im vergangenen Jahr gut für mich gelaufen, das wollte ich sehr gern wiederholen. Jetzt beim IOA hat es sich eher so angefühlt, als müsste ich einen inneren Schweinehund überwinden, denn da habe ich 2020 nicht so gut gespielt und den Cut verpasst. Ich habe mir gesagt, dass ich die Schläge, die ich als schwierig empfinde, konsequent durchspielen muss.

Die sehr gute erste Runde hat geholfen, keine Frage. Allerdings konnte ich am ersten Tag den Platz noch nicht so gut einschätzen. Die Pins waren so gesteckt, dass ich mir dachte: Nimm dein Par und gut ist es. In die dritte Runde bin ich dann aber mit einem guten Selbstbewusstsein gegangen. Ich habe gemerkt: Wenn ich meinen Stiefel runter spiele, dann kann das klappen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich da nicht zu sehr auf die Konkurrenz geachtet habe – wer holt wann wie viele Schläge auf und so weiter. Das hätte mich wahrscheinlich zu sehr von meiner eigenen Leistung abgelenkt.

Am Finaltag war es sehr windig auf dem Kurs des Morongo Golf Club. Hat sich das wie eine Lotterie angefühlt?

Ehrlich gesagt schon ein bisschen. Die ersten fünf Löcher liefen für mich persönlich akzeptabel. Von Sechs bis Dreizehn kam aber dann frontal ein heftiger Sturm, so dass ich mir gedacht habe: Ok, Par ist hier dein Freund. Ich wusste schon, dass ich in den letzten Wochen sehr solide Eisen gehauen habe. Deshalb war die Devise: Fokus auf den Drive und dann ganz banal Fairway, Grün, Zweiputt und weiter. Wenn Putt fällt – cool. Wenn nicht – was soll’s.

Ich habe dann beobachtet, dass sich meine beiden Mitspielerinnen ein wenig schwergetan haben. Deswegen dachte ich, es wird vielleicht eine der anderen sein im Flight vor uns. Jedoch war es wirklich schwierig einzuschätzen. Die Mädels da können alle Golf spielen und bis zur 18 hatte ich kein Leaderboard zur Verfügung. Dort angekommen, war ich schon etwas überrascht (lacht). Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, das Livescoring auf dem Handy zu verfolgen, denn wenn ich ständig überlegt hätte, ob ich vielleicht einen hinten liege oder grade in Führung gegangen bin, hätte mich das auch zu sehr von meinem Spiel abgelenkt. Du reagierst dann nur noch.

Insbesondere weil die 16 ein kurzes Par 5 ist. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, hat eine Spielerin dort noch ein Eagle hingelegt. Die Dinge können sich also hintenraus nochmal schnell ändern. Von daher habe ich mir gesagt: „Mach dein Ding, entweder es reicht oder es reicht nicht“. Glücklicherweise hat es gereicht.

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